Mittwoch, 30. April 2014

Die Einsamkeit der Primzahlen - Paolo Giordano


Die Einsamkeit der Primzahlen - Paolo Giordano (Rezension)

Verlag: Weltbild Quality
Preis: 8,99€
Seitenzahl: 363 Seiten
Genre: Roman
Format: Broschiert
Erscheinungsdatum: Dezember 2010





Nur ein einziger Tag in Alices Kindheit hat über ihr ganzes Leben entschieden. An ihm verlor sie ihre Unbeschwertheit für immer und das Vertrauen zu ihrem sturen Vater wurde gänzlich zerstört. Mattia hingegen quält sich seit er sechs Jahre alt war mit Schuldgefühlen, die er niemandem offenbaren kann. Damals hatte er seine hilfsbedürftige Schwester nur ein einziges Mal für wenige Stunden aus den Augen gelassen, weshalb er sie für immer verloren hat.

Auf dem Gymnasium lernen sich die beiden sieben Jahre später kennen. Zwischen ihnen herrscht eine unbeschreibliche Anziehungskraft. Im jeweils anderen erkennen sie ihre eigene Einsamkeit wieder. Mattia findet in Alice den einzigen Menschen, dem er sich wenisgtens einmal offenbaren kann. Und auch sie würde nie jemand anderen als Mattia bitten, das Tattoo von ihrer Oberfläche zu entfernen, mit dem sie ihren Schmerz verdecken wollte. Mit den Jahren legen sich den beiden Steine in den Weg, die eines Tages scheinbar unüberwindbar sind, und sie müssen sich entscheiden.


Vorab muss ich sagen, dass dieses Buch sehr bewegend und auf Grund der schweren Thematik keine Geschichte zum Nebenbeilesen ist. "Die Einsamkeit der Primzahlen" ist ein absolut gelungenes Romandebüt des Italieners Paolo Giordano, mit dem er nachhaltig berührt.

Schon zu Beginn des Buches steigt der Autor gnadenlos in die schwere Thematik ein und der Leser durchlebt mit Alice die furchtbarsten Stunden ihres Lebens, die alles für immer verändern. Zunächst hat mich die depressive und negative Grundstimmung etwas aus dem Konzept gebracht, aber anders hätte man diese Geschichte gar nicht erzählen können. Man durchlebt das gesamte Buch mit den beiden Hauptcharakteren, die tiefgründig und mit vielen Details ausgearbeitet sind. Mir sind beide sehr ans Herz gewachsen, obwohl man nur selten Sympathie für sie empfindet. Es ist eher Mitleid, was ich als Leser, für die beiden Romanfiguren gefühlt habe. Durch die gelungenen Beschreibungen ist der Leser immer hautnah dabei und versteht genau, warum die beiden von Kindesbeinen an zu Außenseitern werden, denen man im Alltag aus dem Weg geht. Genau dieser Punkt ist es auch, der besonders berührt. Alice und Mattia sind zwei Kinder bzw. später Jugendliche, die Wärme und Zuneigung bräuchten. Aber typisch für uns Menschen ist, dass wir unangenehmen Situationen, deren Ursprung wir nicht kennen, ausweichen. Auch ich erkenne mich darin wieder. Das liegt wohl in der Natur des Menschen. Nur genau das ist es, was das Leben für die beiden noch schwerer macht. Hätten sie sich jemandem mit Verständnis öffnen können, wäre alles vielleicht ganz anders verlaufen.

Es gab während des Lesens eigentlich nur eine Sache, die mich zunächst sehr gestört hat, an die ich mich aber im Laufe des Buches gewöhnt habe. Der Autor verwendet oft derbe Sprüche und eine geradezu vulgäre Ausdrucksweise. Gerade aus der Sicht von Alice war das für mich schwer nachvollziehbar, weil ich mich noch nie auf diese Art und Weise artikuliert habe. Und zum sensiblen Mattia hätte dieser Sprachstil für mich sowieso nicht gepasst. Das ist für mich aber auch der einzige negative Kritikpunkt, den ich am Buch habe.

Ich war in der Geschichte völlig gefangen und habe immer mit Alice und Mattia gebangt und gehofft, dass alles ein gutes Ende nehmen wird. Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der neben seiner typischen Alltagsliteratur etwas Bewegendes lesen möchte, das ihn auch nachhaltig zum Nachdenken anregt. "Die Einsamkeit der Primzahlen" war für mich alles andere als leichte Kost und definitiv ein Buch, das man gelesen haben muss.



Eine bewegende Geschichte mit Charakteren, die noch lange nach dem Lesen im Kopf des Lesers verweilen werden. Mit viel Offenheit und Mut wurden von Paolo Giordano kritische Themen in seinem Buch verarbeitet, ohne sie auch nur im Geringsten zu beschönigen. "Die Einsamkeit der Primzahlen" ist keine leichte Kost, sondern ein erstklassiges Werk mit Tiefgang, für das sich der Leser etwas Zeit nehmen sollte.



Gestaltung: 4,5/5
Idee der Geschichte: 4,5/5
Umsetzung: 5/5
Charaktere: 5/5
Sprache: 5/5
Unterhaltungswert: 4/5
Ideenreichtum: 4/5
Nachdenklichkeit: 5/5
Bildungswert: 4,5/5
Lesetempo: 4/5
Gesamte Punktzahl: 45,5/50  

Mich hat "Die Einsamkeit der Primzahlen" sehr ergriffen und nachdenklich zurückgelassen. Für dieses wunderbare Erstlingswerk vergebe ich viereinhalb von fünf Büchern, weil es für mich nur wenig gab, was der Autor hätte besser machen können. Ein Buch mit Tiefgang und sehr viel Emotion, das von mir eine klare Empfehlung bekommt.



Kommentare:

  1. Oh, das subt bei mir schon ganz lange, vielleicht sollteich das schnell mal lesen :-) ♥

    Ganz liebe grüße

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    1. Ich kann es dir auf jeden Fall empfehlen. Darfst dich nur nicht an der Ausdruckweise stören, denn die ist ab und an schon echt derb.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Hey Nicole :)
    Das Buch hört sich interessant an und erinnert mich ganz leicht vom Stil her (wenn ich das nach der Leseprobe überhaupt beurteilen kann) an "Die altägliche Physik des Unglücks". Jedoch wird hier keine explizit vulgäre Sprache verwendet, wenn ich mich recht zurückerinnere.

    Liebe Grüße und schöne Rezi :)

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    1. Huhu Carly :)

      das Buch war wirklich sehr gut! "Die alltägliche Physik des Unglücks" kenn ich bis jetzt noch nicht, muss ich mir aber unbedingt mal anschauen. Nur zur Zeit liegen hier so viele Bücher rum, die gelesen werden wollen, dass es gerade nicht so viel Neues für mich gibt.

      Liebe Grüße zurück :)

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  3. Huhu,
    eine tolle Rezension und immer so wunderschöne Bilder dabei! Dein Blog gefällt mir richtig gut und ich bin auch gleich mal deine Leserin geworden.

    Alles Liebe
    Jenny

    Mein Blog:http://jemasija8.blogspot.de/

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    1. Huhu Jenny,

      danke für die lieben Worte! Ich folge deinem Blog auch schon eine Weile und es gefällt mir sehr gut dort :)

      Liebe Grüße,
      Nicole

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